Kulinarisches Schmuckstück: Landgasthaus Waldschenke in Freienseen

Vor 15 Jahren kehrte Axel Horn in seine Heimat zurück. Der gebürtige Gonterskirchener wollte endlich lukullische Lebensfreude in die 'kulinarische Tiefebene' bringen. Das ist ihm in der Tat aufs Trefflichste gelungen, denn sein Landgasthaus Waldschenke in Laubach-Freienseen hat sich längst als Treffpunkt für Feinschmecker aus dem Rhein-Main-Gebiet etabliert. "Dabei hat meine Frau zunächst geweint, als sie das erste Mal hier war", erinnert sich der Spitzenkoch. Düster und abgewohnt präsentierte sich damals das Haus, das in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gebaut wurde und 40 Jahre lang als Gasthof mit Metzgerei und Fremdenzimmer diente.
Davon ist heute nichts mehr zu spüren, ein Schmuckkästchen hat Axel Horn mit seiner stilsicheren Ehefrau Ingrid-Michelle aus dem alten Gebäude gemacht. "Es ist so schön, dass man schon von Weitem die Kerzen leuchten sieht.", sagt ein Ehepaar beim Betreten des geschmackvoll eingerichteten Restaurants an diesem Abend. Perfekt eingedeckt sind die Tische, perfekt auch der Service: Die aparte Belgierin - Axel Horn hat zehn Jahre im französischsprachigen Teil Belgiens gearbeitet - liest den Gästen aufmerksam jeden Wunsch von den Augen ab. Eine Oase zum Wohlfühlen und Genießen, die bei wärmeren Temperaturen noch durch eine geschützte Terrasse zum gepflegten Garten ergänzt wird.
Auch Horn, der sein Handwerk einst im Sporthotel Grünberg lernte, sehnt sich nach dem Frühjahr:"Da geht es mir gut, wenn es im April den ersten Bärlauch gibt." Gerade erst hat er für ein Kochbuch sein Rezept 'Rotbarbe auf Bärlauchnudeln' beigesteuert. Der Maître, so darf er sich als gewähltes Mitglied der renommierten gastronomischen Vereinigung Chaîne des Rôtisseurs nennen, schätzt die frischen Produkte der Region und wechselt spätestens nach einer Woche seine saisonale Empfehlungskarte.
Das Lamm - zu Ostern besonders gefragt - bezieht er von einer Metzgerei aus Butzbach, das Wild kommt nur aus heimischen Laubacher Wäldern. Under der Fisch wird jeden Tag frisch von 'La Mer' aus Bochum geliefert: "Die rufen abends an, am nächsten Morgen ist die Ware da." Dabei lässt er sich durchaus auf das Risiko ein, seinen Gästen auch mal ein ungewohntes Geschmackserlebnis zu vermitteln, in dem er beispielsweise aus einem Seeigel ein bräunliches Schaumsüppchen kreiert. Ein Gedicht: Der Kabeljau auf fein gewürfelten Lauch-Kartoffeln zergeht auf der Zunge und sorgt mit Piment d'Espelette (französischer Gourmet-Chili) für angenehm dezente Schärfe. Dabei stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Waldschenke: Hauptgerichte kosten zwischen 15 und 25 Euro, Vorspeisen zwischen fünf und 15 Euro. Hier sehr empfehlenswert der gratinierte frische Ziegenkäse im Rauchfleischmantel auf knackigen, bunten Salaten in mildem Himbeeressig (11,90 Euro).
Besonders beliebt ist das Überraschungsmenü in vier Gängen für 35,50 Euro. "Wir haben Stammgäste, die komme jede Woche und denen serviere ich natürlich jedes Mal etwas anderes", sagt der dynamische Mann, Jahrgang 1968, der tagsüber sogar noch die Energie findet, in der 'Auszeit', einem öffentlichen Betriebsrestaurant in Grünberg, einen schmackhaften Mittagstisch für kleines Geld zu zaubern.
Dieser Artikel stammt aus der April-Ausgabe der Magazins Streifzug.
